Rückblick Sommer 2019 

Geocaching für Einsteiger oder Schatzsuche per GPS

„Ich glaube, da vorne ist es!“, „Häh, wo genau meinst Du?“, „Da ist die Dose, ich seh sie!“ Und schon schlüpfen drei neugierige Mädels gefolgt von einem Vierjährigen, durchs Gestrüpp, um die in einem hohlen Baumstamm versteckte Plastikdose zu bergen.

Es ist ein sonniger Julitag und wir laufen auf schönen Wanderwegen durch ein Waldgebiet in der Nähe unseres Wohnortes. Wir, das sind mein fünfjähriges Patenkind Nummer 3, Ihre drei Jahre ältere Schwester, Ihre Mama, sowie ein befreundetes Paar mit ihren zwei Kindern, und ich.

Heute wollen wir mal das Geocaching ausprobieren. Unterstützung habe ich uns dafür von Freunden und erfahrenen Cachern geholt.

Geocaching – Die größte Schatzsuche der Welt – Was ist das eigentlich?

Googelt man den Begriff „Geocaching“, dann stößt man auf diverse Erklärungen, die in etwa folgendes sagen:

Bei diesem Abenteuer handelt es sich um eine weltweite Schatzsuche mit GPS-Unterstützung. Geo steht dabei für „Erde“ und Cache ist das englische Wort für „geheimes Lager“.  Um bei dieser Schatzsuche mitzumachen, muss man Teil einer Gemeinschaft, einer sogenannten „Community“ sein.  Dazu meldet man sich zunächst auf der Website  www.geocaching.com an. Wie bei einer „echten“ Schatzsuche auch, kann man als „Verstecker“, hier „Owner“ genannt, oder als „Sucher“, hier „Cacher“ genannt, an dem Ganzen teilnehmen. Entweder man versteckt Caches oder man sucht Caches. Als Einsteiger beginnt man am Besten mit dem Suchen.

Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Gesucht wird nach dem Cache mithilfe der GPS-Koordinaten des Caches.

Der Cacher, der den Cache gefunden hat, kann sich in das Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde.

Den Fund kann man dann im Internet auf www.geocaching.com vermerken, kommentieren und gegebenenfalls durch Fotos ergänzen. So können auch andere Personen, insbesondere der Owner, die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen. Wesentlich beim gesamten Such- und Tauschvorgang ist, dass von anderen anwesenden Personen das Vorhaben nicht erkannt wird und so der Geocache uneingeweihten Personen verborgen bleibt.  Uneingeweihte Personen werden übrigens von der Community als „Muggel“, in Anlehnung an die Harry Potter Filme, bezeichnet. Bei Harry Potter sind Muggels „normale“ Menschen, denen jegliche Zauberkraft fehlt.

Ein bisschen Statistik vor dem Start

Verteilung der Geocaches

Geocaching ist auf der ganzen Welt verbreitet, allerdings gibt es sehr große Unterschiede was die Verbreitung und damit Cachedichte angeht.

Verbreitung und Cachedichte
  1. Europa – 1,45 Mio Geocaches
  2. Nordamerika – 1,32 Mio Geocaches
  3. Ozeanien – 141 k Geocaches
  4. Asien – 60 k Geocaches
  5. Afrika – 20 k Geocaches
  6. Südamerika – 6 k Geocaches
  7. Antarktis – 48 Geocaches

Weltweit sollen inzwischen über drei Millionen Caches versteckt sein. Die weltweite Geocaching Community zählt über sieben Millionen aktive Mitglieder. Das Logo dieser weltweiten Schatzsuche sieht wie folgt aus:

Waldspaziergang einmal anders – oder wie macht man Muggels zu Nachwugscachern?

Gemäß Anleitung meiner Freunde – ihres Zeichens erfahrene Geocacher – melde ich mich zunächst auf www. geocaching.com in der kostenlosen Einsteigerversion an.  Anschließend suchen wir uns auf der Karte der Seite im Umkreis unseres Wohn- und Standortes einen geeigneten Cache, den wir gemeinsam mit den Kindern suchen können. In unserem Fall finden wir auf der Karte nicht nur einen Cache, sondern eine Gruppe aus mehreren miteinander verknüpften Caches. Hinter der Beschreibung „Waldspaziergang“ verbergen sich insgesamt zehn Caches, die zusammen eine Runde bilden. Das Besondere an dieser Runde ist, dass jeder Cache nicht nur ein Logbuch und ein paar kleine Gegenstände zum tauschen enthält, sondern auch ein Bonus-Rätsel. Die Lösung des jeweiligen Rätsels gibt uns einen Teil eines gesamten Lösungsworts. So ist unser Ziel also nicht nur, die Plastikdose zu finden und uns ins Logbuch einzutragen, sondern auch, das enthaltene Rätsel zu lösen.

Da es sich bei meiner Schwester und mir, sowie meinem Patenkind und ihrer Schwester, ja um absolute Geocaching-Neulinge, sogenannte „Muggels“ handelt, starten wir an diesem Tag mit einem kleinen Zeitfenster von zweieinhalb Stunden. Ich will diese neue Freizeitbeschäftigung schließlich erst einmal ausprobieren und die Kids damit nicht langweilen, falls es ihnen nicht gefällt. Das Zeitfenster von zweieinhalb Stunden erlaubt es uns, von den zehn Caches des „Waldspaziergangs“ nur die Caches #4, #5, #6, #7, #8, #9 und #10 zu suchen und zu finden. Auch beginnen wir die Runde von hinten, also bei #10 und nicht bei #1. Aber das tut nichts zur Sache.

Nachdem wir die Runde „Waldspaziergang“ ausgesucht haben, muss ich meine Schwester und mich noch mit einem „Kompass“ ausstatten, damit die Suche überhaupt möglich ist. Ich lade mir also die Geocaching-App „c:geo“ auf mein Handy und meine Schwester bringt ihr tragbares GPS-Gerät mit, welches sie beim Radfahren als Navigationsgerät und Tachometer benutzt. Anschließend packen wir noch folgende Utensilien ein:  Stift, Notizblock, kleine Tauschgegenstände und etwas Proviant für die Wanderung.

Wir fahren dann also zu einem Parkplatz am Rand des Waldgebietes, in welchem die Caches des „Waldspaziergangs“ versteckt sind und ich wähle den Cache #10 in der App an. Ich erhalte die Koordinaten des Caches und mein Handy verwandelt sich quasi in einen digitalen Kompass. Meine Schwester tippt die Koordinaten des Caches ihrerseits in das GPS-Gerät ein. Meine Freunde machen es genauso. Sie sind ebenfalls mit einem Handy und einem GPS-Gerät ausgestattet.

Ich gebe mein Handy und das GPS-Gerät meiner Schwester meinem Patenkind und ihrer Schwester. Nach einer kurzen Erklärung, wie so ein Kompass funktioniert, – „die Nadelspitze muss immer nach vorne zeigen“ – laufen die Mädels zusammen mit den Kindern der Freunde los.

So ziehen wir also auf dem Wanderweg durch das Waldgebiet, navigiert von den Kids. Zunächst folgen wir dem normalen ausgebauten Wanderweg, was die Kinder noch nicht so spektakulär finden. Spannend wird es, als uns die Kompassnadel nach rechts ins Gebüsch lotst. Plötzlich werden unsere „Guides“ etwas aufgeregter und hektischer. Immerhin zeigt der Kompass ja auch an, wie viele Meter es noch bis zu dem Cache sind und diese werden nun zusehends weniger.

„Vorsicht, Brennnessel!“ ruft die Tochter meiner Freundin noch, doch mein Patenkind ist schon über den kleinen Graben gesprungen und wie es scheint, dem pieksenden und brennenden Grünzeug entgangen.  „Wo ist denn nun die Dose?“ – „Nur noch drei Meter!“ – „Die muss doch hier irgendwo sein“ – „Oh, jetzt sind es wieder fünf Meter und die Nadel ist nicht mehr nach vorne gerichtet“…  so geht es ein paar Minuten, in denen die drei Mädels wie aufgescheuchter Hühner auf der kleinen Lichtung hin- und herlaufen, die Augen stur auf die Kompasse gerichtet.

„Wie wär’s, wenn ihr mal die Köpfe hebt und euch in der echten Welt umschaut? Vielleicht seht ihr die Dose ja?“ ruft meine Freundin schmunzelnd. „Ich hab sie!“ – schreit mein Patenkind und flitzt los. Tatsächlich hat sie die transparente Plastikdose mit blauem Deckel in ihrem Versteck entdeckt. Neugierig versammeln wir uns um den Cache und sind gespannt, was wir wohl in der Schatzdose vorfinden.

Wir öffnen die Dose und finden ein Logbuch, ein paar kleine Gegenstände und eine Rätselfrage. In das Logbuch tragen die Kinder uns mit Namen, Datum und Uhrzeit ein und halten so fest, dass und wann wir den Cache gefunden haben. Die kleinen Gegenstände dürfen die Finder aus der Dose heraus- und mitnehmen, wenn sie dafür mitgebrachte kleine Gegenstände zum Tausch in die Dose legen. Die kleinen Schätze kommen natürlich bei den Kindern sehr gut an und welches Kind hat nicht so Einiges an Krimskrams zuhause, von dem es welchen mitbringen und eintauschen kann? Wir wissen alle, dass unbekannter, anderer Krimskrams viel interessanter und wertvoller ist als der Eigene, der zuhause in der Schublade schlummert. Und so wird gefundener Krimskrams gegen mitgebrachten Krimskrams getauscht. Und dann ist da ja noch das Bonus-Rätsel…. Aber das hat es in sich…

Nachdem wir den ersten Cache, also in unserem Fall Cache #10 erfolgreich gefunden haben, „logge“ ich ihn in der App ein und wähle den nächsten, Cache #9 an. Ich erhalte dessen Koordinaten und die App verwandelt sich wieder in einen Kompass. Meine Schwester tippt die Koordinaten in das GPS-Gerät ein und so setzen wir unsere Suche, angeführt von unseren kleinen „Navigatoren“, fort.

Es geht nun immer häufiger ins Unterholz, über umgefallene Bäume, durch kleine Gräben, über Stock und Stein. Manchmal sind auch offizielle Wegweiser und Schilder von den „Ownern“, die die Caches versteckt haben, in die Suche mit involviert worden und geben uns Hinweise. Manchmal drehen wir uns gefühlt ein paar Mal im Kreis, bis wir dann doch den entscheidenden Hinweis finden oder den Cache aus der Entfernung erspähen. Auch die Rätsel sind durchaus anspruchsvoll. Von Worträtseln, bei denen man Buchstaben zählen muss, bis hin zu Rechenaufgaben oder geometrischen Formen.

Wenn wir in der Suche feststecken, dann behelfen wir uns auch in dem ein oder anderen Fall mit den Kommentaren, die andere suchende „Cacher“ auf der Website bei dem entsprechenden Cache hinterlassen haben. Diese verraten das Versteck zwar nicht direkt, aber sie können durchaus hilfreich sein, um uns in die richtige Richtung zu schubsen.  

Da die Caches ja dauerhaft den Cachern, der Witterung und möglicherweise auch Hunden oder Muggels ausgesetzt sind, kann es auch vorkommen, dass so ein Cache nicht mehr im besten Zustand ist oder sich nicht mehr ganz exakt an dem Ort befindet, wo man ihn vermuten sollte. Stellt man fest, dass ein Cache „gewartet“ werden muss, dann schreibt man das in das Kommentarfeld des Caches auf die Website. So ist der Owner informiert und kann den Cache überprüfen und z.B. die Dose ersetzen oder ein neues Logbuch einlegen, etc.  Jeder Cache soll schließlich weiterhin für andere Cacher zur Verfügung stehen.

So ein Cache-Kommentar auf der Website kann wie folgt aussehen:

Nach ca. zweieinhalb Stunden ist Cache #4 gefunden und das zugehörige Teilrätsel gelöst. Da es ein sehr warmer Tag ist und wir den Kindern noch einen Besuch in der Eisdiele auf dem Heimweg versprochen haben, beenden wir mit Cache #4 unseren Schnuppertag Geocaching. Wir laufen zurück zum Auto und machen uns auf zur Eisdiele.

Geocaching all around the world

Während sie ihr wohlverdientes Eis schlecken, antworten mein Patenkind und ihre Schwester mir, dass ihnen die kleine Schatzsuche gut gefallen hat und dass die das gerne wieder einmal machen wollen. Im Gespräch mit meinen Freunden erfahren meine Schwester und ich, dass Geocaching ein richtiges Abenteuer sein kann. Die Caches sind schließlich auf der ganzen Welt versteckt und dabei haben sich die Owner nicht mit gut ausgebauten Waldwegen und Verstecken am Boden zufrieden gegeben. So manche Caches sind durchaus auch an schwer zugänglichen Orten versteckt, welche sich nicht nur zu Fuß und ohne Spezialausrüstung finden lassen.  

Den entsprechenden Schwierigkeitsgrad des Caches kann man aber zum Glück auf der Website in der Beschreibung durch den Owner bzw. in den Kommentaren der Cachern nachlesen.

Meine Freunde betreiben das Geocaching bereits seit ein paar Jahren und haben darin ein Hobby für die ganze Familie gefunden. Und da sie bereits zu den Profi-Cachern gehören, suchen sie durchaus auch Caches, die in anspruchsvollen Verstecken zu finden sind.  So kommt es vor, dass sie kopfüber unter Parkbänken oder Brücken suchen, auf Bäume oder Felsen klettern, sich irgendwo abseilen oder unter Wasserfälle kriechen. Nicht zuletzt findet man auch Caches neben Skipisten, versteckt im Schnee.

Geocaching ist an jedem Ort dieser Welt und zu jeder Jahreszeit möglich. Es bietet Spaß und Zeitvertreib für Groß und Klein, für Anfänger und Profi. Es kann auch eine schöne Tagesbeschäftigung im Urlaub sein. Nicht zuletzt kann es zu einem wirklichen Outdoor-Abenteuer werden.

Wieder einmal konnte ich mit den Kindern eine Freizeitbeschäftigung testen, die sowohl körperlichen als auch geistigen Einsatz fordert und durch eine digitale Komponente auf der Höhe der Zeit und dementsprechend „cool“ ist.

Es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich mit einem meiner Patenkinder einen Cache gesucht habe. Immerhin müssen wir ja noch den Waldspaziergang beenden, um das Bonusrätsel zu knacken😊

In diesem Sinne kann ich nur jedem empfehlen, Geocaching einmal auszuprobieren und für sich und seine persönlichen Ansprüche die richtige Dosis zu finden.

Bis bald,

Eure Sandra

1 Antwort zu “Rückblick Sommer 2019 ”

  1. Sehr schöner Bericht. Ich kann das Geocaching für jeden empfehlen der neugierige und abenteuerlustige Kinder hat. Es ist spannend einen Schatz zu finden und gleichzeitig sind die kids an der frischen Luft und können sich austoben. Vielen Dank für das tolle Erlebnis 🙂
    Manu + Amelie + Lara

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