Interaktive Schnitzeljagd

Detektivarbeit mit digitaler Unterstützung

„Welchen Namen gebt ihr eurem Team?“, fragt der nette Typ vor mir und schaut in unsere Runde. Ich blicke in drei ratlose Gesichter. Wir, das sind mein 14-jähriges Patenkind Nr. 1, ihre aktuell beste Freundin, sowie meine 21-jährige Cousine und ich. Wir sitzen in den Räumen von ExitGames in der Marienstraße in Nürnberg und treffen letzte Vorbereitungen für unser City Adventure.

„Wie lang darf denn der Name sein?“, „sind auch zwei Wörter erlaubt?“, „oh Mann, ich hab keine Ahnung, was wir da nehmen sollen…“, „jetzt sagt doch ihr auch mal was…“, so geht es die nächsten Minuten, bis mein Patenkind dann doch einen glorreichen Einfall hat. „Wir nennen uns ‚die Planlosen‘ “! … grins…

Unser Coach nimmt den Vorschlag an und tippt den Gruppennamen ins Tablet ein. „Passt!  Übrigens, die meisten Gruppen, deren Name so wenig vielversprechend war, hatten bisher auch die besten Ergebnisse bei unserem City-Adventure“, sagt er schmunzelnd. Na wenn das kein gutes Omen ist.

CITY ADVENTURE – Was ist das eigentlich?

Bei diesem Abenteuer handelt es sich laut dem Veranstalter Exit Games um „eine interaktive Schnitzeljagd durch die Stadt“. Ausgestattet mit einer Tasche voll analoger Detektivutensilien (sehr analog, wie das Gewicht der Tasche verspricht), sowie mit einem Tablet gilt es, die Beute eines fiktiven Raubzuges aufzuspüren.

Eine App leitet uns durch das Spiel. Der Pfeil auf unserem virtuellen Stadtplan weist uns an, in welche Richtung wir gehen müssen, um zum nächsten Hinweispunkt zu gelangen. Dort angelangt, stellt uns die App auf dem Tablet ein zum Ort passendes Rätsel, welches wir lösen müssen, um so den Wegweiser für die weitere Route zu erhalten. Zum Lösen des jeweiligen Rätsels gilt es, aufmerksam und durchaus auch „zwischen den Zeilen“ zu lesen, gut zu beobachten und sich der richtigen detektivischen Hilfsmittel aus unserer Tasche zu bedienen. Das Zusammenspiel des Teams, sowie die Konzentration auf unser digitales Hilfsmittel und die Anwendung der analogen Tools ermöglichen uns, die gestellten Rätsel zu lösen. Und das nicht nur dank unseres „planlosen“ Namens.

Hier ein Blick nach oben, da ein Blick zu den Seiten, ein andermal ein Schild genau lesen, oder einfach nur mal den Blick schweifen lassen. Ehe wir uns versehen, haben wir schon eine halbe Sightseeing-Tour durch Nürnbergs wunderschöne Altstadt hinter uns, inklusive einer stärkenden heißen Schokolade „to go“.

Im Zickzack durch die City

Wir laufen sogar noch weiter als geplant, denn plötzlich befinden wir uns in einem privaten, sehr schönen Hinterhof mit allerlei Balkons und Gärten. Wir alle sind nach wie vor der festen Überzeugung, dass der Weg wirklich hier durchführen muss, doch leider werden wir eines Besseren belehrt. Wir machen kehrt, gehen zum Zielpunkt der letzten Etappe zurück und orientieren uns neu. Und siehe da, nur ein paar Meter trennten uns von der richtigen Richtung. Wir müssen erkennen, dass wir uns hier ein bisschen besser hätten konzentrieren müssen.

Die Konzentration auf die Sache ist sehr wichtig, immerhin müssen wir ja nicht nur 18 Stationen „anlaufen“ und 18 Rätsel lösen, sondern wir laufen ja auch gegen die Zeit. Unser ungeplanter Ausflug in den Hinterhof wirft uns zeitlich ein bisschen zurück, so dass wir zusehen müssen, nicht zu lange beim Lösen des nächsten Rätsels zu trödeln.

Zwischendurch kontaktiert uns unser Coach aus der Zentrale des Abenteuers, um sich zu erkundigen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind oder ob wir Hilfe benötigen. Für alle Fälle hat er uns zu Beginn mit seiner Telefonnummer versorgt, damit wir ihn im „Notfall“ kontaktieren können, damit aus dem City Adventure nicht der City Irrlauf wird. Erstaunlicherweise benötigen wir an keinem einzigen Punkt unserer Tour seine Hilfe.

Manchmal gehen wir fast in Touristenströmen unter, oder werden von diesen auf unseren Weg weitergeschoben. Manchmal werden wir von Passanten auch ein wenig verwundert beäugt. Doch da im Zeitalter der Digitalisierung Fußgänger, die sich von einem Smartphone oder Tablet durch eine Innenstadt navigieren lassen, keine Seltenheit mehr sind, hält die Aufmerksamkeit der Leute nicht lange an.

Nach drei Stunden umherjagen finden wir schließlich auch unsere Beute und gelangen zufrieden und glücklich wieder zur Basis in die Zentrale der Exit Games in die Marienstraße zurück. Wir haben die Tour im vorgegebenen Zeitrahmen geschafft und dabei fast die volle Punktzahl erreicht. Nur bei einem (und zwar dem vorletzten) Rätsel brauchten wir zwei Anläufe, um auf die Lösung zu kommen.

https://www.digipaten.rocks/wp-content/uploads/2019/03/City-Adventure.mp4

Zur Belohnung für die erfolgreiche, digital angereicherte Schnitzeljagd durch Nürnbergs Altstadt gönnen wir uns noch ein gemeinsames Sushi-Essen. Bei unseren Gesprächen während des Essens wird ganz deutlich, dass das City-Adventure bei uns allen sehr gut ankam. Vor allem den beiden 14-jährigen Teenies hat die „coole Aktion“ sehr viel Spaß gemacht, wie sie sagen.

Ich persönlich finde das City Adventure ebenfalls eine sehr gelungene Aktion, genau richtig für Teenies und Erwachsene. Die Rätsel sind durchaus anspruchsvoll und meiner Meinung nach für jüngere Kinder noch zu schwer verständlich. Denn den größten Erfolg hat die Aktion dann, wenn die Kids selbst die Lösungen der Rätsel erarbeiten sich den entsprechenden neuen Hinweis verdienen. Für die kleinen Schnitzeljäger gibt es inzwischen die Variante Pumuckls Schatzsuche.

Das Pubertier hinter seinem PC hervorlocken

Teenies sind also durchaus für Aktivitäten außerhalb der Reichweite ihres Wlans und gemeinsam mit „echten“ Menschen zu begeistern. Es kommt nur darauf an, wie sich diese Aktivität präsentiert und wie man ihnen diese verpackt.

Mithilfe der digitalen Unterstützung durch die App wird die altbekannte Schnitzeljagd bzw. Stadtrallye wieder attraktiv. Heute wie damals erfordert diese Aktivität Konzentration, Zusammenarbeit, Orientierung und dass die Mitspieler „offenen Auges“ durch die Welt gehen.

Der Kern der Unternehmung, das gemeinsame Lösen von Rätseln in einem realen Umfeld, ist nach wie vor das zentrale Thema.  Die App peppt das Ganze auf. Zum Einen erschafft sie die Story, zum Anderen ermöglicht sie die Jagd, ohne dass man befürchten muss, an Laternenpfosten geklebte Zettel würden abgerissen oder mit Kreide auf dem Boden hinterlassene Hinweise würden vom Regen weggewaschen. Außerdem erlaubt die App auch kein Schummeln durch „Überspringen“ einzelner Stationen, so wie das bei der rein analogen Schnitzeljagd manchmal möglich war, wenn man den übernächsten Wegweiser vor dem eigentlich nächsten entdeckte. Die App registriert ganz genau, wo wir uns befinden, um erst dann das nächste Rätsel freizuschalten, wenn wir den entsprechenden Hinweisort auch wirklich erreicht haben.

Die digitale Note macht das Spiel also „cool“. Doch um ein Pubertier hinter seinem PC im heimischen Wlan-Gehege hervorzulocken, braucht es meist noch ein paar weitere Lockmittel, die ich in diesem Fall erfolgreich eingesetzt habe:

Man isoliere ein Pubertier nicht von seinen Artgenossen. Indem ich meinem 14-jährigen Patenkind anbot, eine Freundin mitzunehmen, ermöglichte ich ihr, unter Ihresgleichen zu sein und nicht alleine mit der ollen Patin durch die Stadt latschen und reden zu müssen.

Man sorge für ein Bindeglied zwischen den Kindern und den Erwachsenen. Bei meinen bisherigen Unternehmungen und auch im großen Familienkreis konnte ich beobachten, dass junge Teenies, wie eben unsere 14-jährige, eher zu jungen Erwachsenen eine Beziehung aufbauen, als zu den Älteren aus der Generation ihrer Eltern. Die jungen Erwachsenen sind ihnen logischerweise wesentlich näher. Die Teeniezeit der heute jungen Erwachsenen fand nicht – wie zum Beispiel meine – vor gefühlten Urzeiten statt, sondern erst vor Kurzem, also zu einer Zeit, die mit der heutigen vergleichbar ist. Dies sorgt für großes Verständnis und Vertrauen zwischen jungen Teenies und jungen Erwachsenen.  Die Rolle dieses Bindeglieds hat meine 21-jährige Cousine, aktuell Studentin, wunderbar erfüllt.

Und nicht zuletzt kommt mir auch hier wieder mein Patin-Bonus zugute. In meiner Rolle als Patin bin ich externer Coach, Tutor oder einfach Bespaßer, der den erhobenen Zeigefinger zuhause lassen darf, da ich ja nicht für die Erziehung zuständig bin. Diese Rolle unterscheidet mich deutlich von den Eltern.

Vielleicht wirkte es sich auch positiv auf die Unternehmung aus, dass wir eine reine Mädelsgruppe waren. Ich denke, Jungs im selben Teeniealter hätten unsere hormonelle Harmonie womöglich gestört.

Ich hoffe, liebe Patinnen und Paten, dass ich euch mit diesem Beitrag einen weiteren Tipp für digital angereicherte Freizeitgestaltung geben konnte. Immerhin stehen ja ständig irgendwelche Schulferien vor der Tür, welche mit Beschäftigungsideen gefüllt sein wollen. Und ich kann euch versichern, Eltern freuen sich immer, ihr Kind für einen Ferientag an die Paten zu verleihen.

In diesem Sinne, viel Spaß bei eurem eigenen City Adventure!  

2 Antworten zu “Interaktive Schnitzeljagd”

  1. Schöne, ausgefallene Aktionen – schöne Berichte – schöne Homepage.
    Daumen hoch!
    Wir sind schon gespannt auf die nächsten Beiträge…

    Anja

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