Weihnachtsaction 2018 

Erste Etappe auf meiner Reise in die Welt der digital angereicherten Freizeitgestaltung

Wir schreiben den 24.12.2018. Mein Patenkind „Nummer 2“ (so nenne ich liebevoll das mittlere meiner drei Patenkinder) nimmt ihr Weihnachtsgeschenk voller Vorfreude entgegen. Beim Ertasten des harten, eckigen Inhaltes wird ihr Blick zusehends neugieriger, hatte ich ihr doch im Jahr zuvor ein unbeliebtes „weiches“ Geschenk gemacht, in welchem sich dann auch tatsächlich noch ein Pulli (meiner Meinung nach ein supercooler Glitzerhoodie, aber das tut nichts zur Sache) befand…

Doch diesmal bewahrheitet sich ihr Verdacht auf ein Spiel. Kaum ausgepackt, legen wir auch schon los. Zum Spielaufbau gehört ein Brett, Spielfiguren, ein Würfel, sowie Karten aus verschiedenen Kategorien. Dank der zugehörigen App, die ich mir bereits vorher auf mein Handy geladen habe und die uns durch den Spielaufbau führt, entfällt das lästige Lesen einer klassischen Spielanleitung.

„Interaction“ – wie der Name schon sagt, ist ein interaktives Brettspiel, und zwar mit digitaler Komponente. Ziel des Spieles ist es, als Erster durch Würfeln und Bestehen von Aufgaben seine Spielfigur ins Ziel zu bringen. Durch das Spiel führt die Interaction App, auf welcher man vor Spielbeginn alle Mitspieler inklusive deren Alter anmelden muss. Die auf das Alter zugeschnittenen Aufgaben für die einzelnen Mitspieler werden ebenfalls mittels der App abgerufen. Außerdem verfügt jeder Spieler über Ereigniskarten, mit Hilfe derer er seinem Gegner Aufgaben erschweren kann.

Genau diese Mischung aus klassischen Elementen und einer witzigen modernen App hat mich dazu bewogen, dieses Spiel meinem 8-jährigen Patenkind zu schenken. An unserem sofortigen, actionreichen Testlauf nehmen zwei neugierige Kinder, ziemlich skeptische Eltern und sehr gespannte Paten teil. Das Spiel beschert allen Mitspielern großen Spaß. Innerhalb kürzester Zeit übernimmt unsere Achtjährige das Ruder und erklärt schließlich ihrem zunächst etwas verständnislos dreinblickenden Papa, wie man denn nun in der App ins nächste Level kommt.  

Das klassische Brettspiel bekommt durch die digitale Ergänzung in Form einer App eine neue Würze und kommt damit auch bei den Kindern der Digitalisierung an. Diesen Trend erkennen immer mehr Spieleanbieter.

Nicht nur Rudy Games, der Hersteller des genannten Spiels „Interaction“ hat sich die Kombination von klassisch mit digital auf die Fahne geschrieben.

Der Spieleverlag KOSMOS zum Beispiel war einer der Ersten, der seinen Klassiker „Die Siedler von Catan“ mit einer App erweitert hat. Derartige Kombinationen werden in Kritikerkreisen auch als „Hybrid-Brettspiele“ bezeichnet. Dabei kann die App als Erweiterung zum eigentlichen Brettspiel dienen, indem sie zusätzliche Extras bietet. Sie kann aber auch zwingend erforderlich sein, wenn sie wichtige Spielfunktionen übernimmt, ohne die das Spiel nicht läuft.

Das Spiel „Interaction“ besteht unseren Testlauf schließlich bei allen Beteiligten mit Bravour. Mit diesem coolen Geschenk konnte ich nicht nur bei meinem Patenkind punkten. Vielmehr ermöglichte es mir auch, bei den Eltern meines Patenkindes Begeisterung für diese Form der digital angereicherten Freizeitgestaltung ihres Kindes zu wecken.

DIGITAL MINDGAP – die neue Verständnislücke zwischen Eltern und Kindern

Die Eltern meiner drei Patenkinder sind wie ich Kinder der Generation X. Aufgewachsen mit Kassettenrecordern und Telefonen mit Wählscheiben, vor allem aber ohne Smartphone, Tablet oder Internet. Genauso wie ich haben sie den rasanten Wandel hin zum heutigen Stand der Digitalisierung miterlebt.

Nun habe ich, sozusagen als kinderlose „Einzelkämpferin“ bereits damit zu tun, mit unserer digitalisierten Welt Schritt zu halten, doch wie fühlt sich wohl dieser Dschungel aus Gefahren und Möglichkeiten an, wenn man die Verantwortung für ein oder mehrere Kinder trägt?

Viele Eltern befinden sich in einer Zwickmühle aus dem Anspruch an sich selbst, „up to date“ zu bleiben, dem Bestreben, ihre Kinder zu eigenverantwortlichen und weltoffenen Erwachsenen zu erziehen, und ihrem Instinkt, ihre Sprösslinge bestmöglich vor Gefahren unserer digitalen Welt zu beschützen. Nicht umsonst gibt es eine Fülle von Ratgebern und Plattformen zu Themen wie dem altersgerechten Umgang mit digitalen Medien oder dem Thema Erziehung im digitalen Zeitalter, um nur ein paar davon zu nennen.

Unsicherheit und Unwissen führen immer wieder dazu, dass Eltern ihren Kindern den Umgang mit so manchen digitalen Tools verbieten, was wiederum zum absoluten Unverständnis bei den Kindern führt. Schließlich wurden die Kinder in die digitalisierte Welt hineingeboren und wollen diese nun unvoreingenommen entdecken.

Und genau das ist der Moment, in dem wir Paten uns einbringen können.

Früher war der Pate jemand, der (außer den Eltern) bei der Taufe eines Kindes als Zeuge anwesend war und für die christliche Erziehung des Kindes mitverantwortlich war. Ja sogar derjenige, dem die Fürsorgepflicht für das Kind übertragen wurde, wenn die Eltern frühzeitig verstarben. Dies ist heute nicht mehr so. Zumindest wird es in den meisten Familien so nicht mehr praktiziert.

Doch was genau beinhaltet die Rolle des Paten heute?

Der Begriff „Pate“ stammt aus dem Lateinischen und leitet sich ab vom Begriff pater spiritualis. Dieser bedeutet so viel wie ‚Vater im Geist‘. Wir würden heute wohl eher „Mentor“ dazu sagen, oder etwas in der Art wie „Begleiter“ oder „Tutor“.

Mentoren oder Tutoren sind heute so aktuell wie nie. Bereits in der Grundschule und später auch an der Uni werden unsere Kids von Tutoren begleitet, die ihnen die Eingewöhnung erleichtern sollen. Tutoren erklären den „Neuen“, wie das System funktioniert. Sie sind Ansprechpartner bei Fragen und Vertrauensperson und helfen bei Problemen.

Der Tutor hat gerade in der digitalisierten Welt seinen ganz eigenen Platz, allen voran in Form der sogenannten „Tutorials“, kleinen Lernvideos bzw. Erklärvideos, die man zu allen Themen im Netz findet. Von Mathehausaufgaben bis hin zu Programmierformeln wird heute so ziemlich alles mittels „Tutorials“ erklärt.  Auch hier schließt man Lücken.

Das Zeitalter der Digitalisierung birgt gerade aus der oben beschriebenen elterlichen Zwickmühle heraus so einiges an Konfliktpotential. In diesem Konflikt können wir als Paten ansetzen, indem wir das Kind als Tutor durch den digitalen Dschungel begleiten. Gleichzeitig können wir damit auch bei den Eltern Begeisterung für eine sinnvolle, digital angereicherte Freizeitgestaltung der Kinder erzeugen.

Wir können gemeinsam mit den Kindern neue Spiele und digitale Tools ausprobieren und sie so auf ihrer Entdeckungsreise der Digitalisierung coachen.

Und dabei haben wir den entscheidenden Vorteil gegenüber den Eltern, dass wir eben nicht die Erziehungsverantwortung tragen, also nicht zum erhobenen Zeigefinger verpflichtet sind.

Meine persönliche Situation als dreifache Patin ohne eigene Kinder ermöglicht mir diese Rolle des „Tutors“ umso mehr, trübt meinen Blick doch keine elterliche Zwickmühle.

Für 2019 habe ich mir also vorgenommen, sämtliche Geschenke und Unternehmungen mit den Kids unter dem Aspekt „digital“ bzw. „interaktiv“ auszuwählen. Und dabei natürlich nur Geschenke, die Spaß versprechen. Immerhin möchte auch ich die positiven Aspekte der digitalen Freizeitwelt entdecken.

Außerdem werde ich dokumentieren, wie diese Spiele und Unternehmungen bei der entsprechenden Altersgruppe meiner drei Patenkinder (5, 8 und 14) ankommen.

Vielleicht kann ich auch andere Paten mit meinen Ideen inspirieren und sie dazu animieren, ihrerseits dazu beizutragen, Eltern und Kinder gleichermaßen für digital angereicherte Freizeitgestaltung zu begeistern.

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